September

Er schaut aus dem Fenster und sieht den wolkenlosen blauen Herbsthimmel, aus dem die letzten zarten Sonnenstrahlen scheinen, er sieht den weiten Garten, in dem die Blätter in Farben zwischen einem sommerlichen Tiefgrün und einem herbstlichen Goldbraun glänzen. Die trockene Erde und die staubigen Steine warten auf den Regen.
Aus seiner Stereoanlage tönen melancholische Gitarrenklänge, sehnsüchtige Gesänge und der schwere Puls eines Schlagzeugs, untermalt von leise im Hintergrund treibenden Melodien.
Er nippt an seinem Lindenhonigwein, die würzige Süße brennt ihm zart in der Kehle, ein edler Tropfen, den er monatelang im hintersten Eck seines Zimmers gelagert hatte.
Der modrig-süßliche Geruch seiner Holzmöbel schwimmt in der Luft, durchs Fenster schwebt der Duft der halb verblühten Rosen aus dem Garten.
Er runzelt seine Stirn und betrachtet mit leerem Blick seine E-Gitarre. Man müsste mal wieder die Saiten wechseln. Seine Augen schweben zum Bett. Es müsste mal wieder gemacht werden.
Ein kurzer sachter Windstoß bringt die Blätter der Zimmerpflanzen auf dem Fensterbrett zum rascheln. Ein welkes Blatt fällt auf den Boden.
Er ist müde und doch hellwach, seine Nase läuft und sein Auge tränt. Mit seinem Taschentuch wischt er seine Augen trocken und putzt seine Nase.
Alles außer ihm und der Musik steht still.
Unwillkürlich streckt er seine Hand aus – ein Griff ins Leere.
Von seiner versehentlichen Bewegung überrascht, ballt er die Hand zu einer Faust, um damit seinen schweren Kopf zu stützen.
Zu gern würde er sich einfach schlafen legen. Schon viel zu lange trotzte er in Hoffnung seiner Müdigkeit. Doch seine größte Hoffnung hat ihn verlassen, verlassen

Sie ist weg, weit weg, zu weit weg.


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copyright Aengoth
September 2007


23.9.07 16:59

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